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2010

Donnerstag, 23. September 2010 20:00h, Performance
Bertram Haude

Der Kritiker ist Teil seiner Kritik und der »Flaneur ist kein Käufer, er ist (selbst) Ware«.
(aus Walter Benjamin, Passagen-Werk)


Der (fast) unsichtbare Ort des Kaufhauses, dessen Geschichte den Ausgangspunkt für die im Projekt Kaufhaus Joske stattfindenden Diskurse bildet, ist Grundlage für Bertram Haudes Performance. Hierbei ist Bertram Haude in seinen Überlegungen in einen Konflikt geraten: Das ehemalige Kaufhaus, das als erstes Kaufhaus in Leipzig-Plagwitz zur beginnenden Warenhauskultur gezählt werden kann, könnte Ausgangspunkt sein für kapitalismuskritische Fragen, die zu Bertram Haudes künstlerischer Praxis gehören. Die spezifische Geschichte aber, die sich auf das Kaufhaus gelegt hat, die Vertreibung und Ermordung seiner Besitzer, bricht jene Sicht und führt in einen anderen Betrachtungszusammenhang. Bertram Haude stellt sich daher die Frage: "Können wir in einem unsichtbaren Kaufhaus einen Raum finden, der uns den nötigen Abstand für differenzierte Kritik verschafft?"

Mit der Performance von Bertram Haude findet im Projekt Kaufhaus Joske die letzte Veranstaltung im Jahr 2010 statt.

Bertram Haude (*1971) hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in der Klasse für freie Kunst bei Astrid Klein studiert. Seine Arbeiten weisen eine Vielfalt unterschiedlicher Medien auf, die ihren Zusammenhang in einer stark gesellschaftspolitischen Haltung finden. Bertram Haudes Arbeit wurde bisher durch zahlreiche Stipendien gewürdigt, u. a. führte ihn 2009 eine DAAD-Förderung für ein Jahr nach Israel.

Thursday, September 23 2010 20h, Performance
Bertram Haude

The critic is part of her critique and »the flâneur is not a consumer, he is (himself) a commodity«
(from Walter Benjamin, Arcades Project)

Projekt Kaufhaus Joske takes the point of departure for the discussions it hosts from the history of the former department store that bore its name. This (almost) invisible history provides the foundation for Bertram Haude’s performance. The department store was the first of its kind in Leipzig-Plagwitz and is thus a symbol of early consumer culture. As such it suggests an angle for the critical interrogation of capitalism that is part of Haude’s artistic practice. However, the specifics of the house’s history, the deportation and murder of its owners, disrupts this line of attack while at the same time providing a new perspective. Haude poses the question: »Can we find a space within an invisible department store that provides the necessary distance for considered critique?« Haude’s performance is the last Kaufhaus Joske event for 2010.

Bertram Haude (*1971) studied fine art at the Academy of Visual Arts in Leipzig with Astrid Klein. Although his works employ a variety of media they are bound together by a strongly socio-political approach. His work has received recognition in the form of numerous stipends. In 2009 he travelled to Israel for a year with a DAAD fellowship.

 

Donnerstag, 2. September 2010, 19:00h, Vortrag und Lesung
ÜBER IMRE KERTÉSZ
mit Laszlo Kornitzer und László Földényi

„Das Konzentrationslager ist ausschließlich in Form von Literatur vorstellbar, als Realität nicht. (Auch nicht – und sogar dann am wenigsten –, wenn wir es erleben.)“ Imre Kertész: Galeerentagebuch

Das Werk des ungarischen Schriftstellers Imre Kertész handelt von der schonungslosen Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz, vor dem Hintergrund der Erfahrung von Auschwitz und der darauf folgenden kommunistischen Diktatur in Ungarn. Dies sind verlässliche Schauplätze in Kertesz' Romanen, auf denen sich im Blick auf das geschädigte Individuum eine zutiefst humanistische Haltung entfaltet.
Innerhalb der literarischen Form findet Kertész einen Weg, mit dieser Vergangenheit und (dem drohenden Verlust) der eigenen Erinnerung umzugehen. Dabei stellt er immer wieder die Frage, welche Gegenwart nach Auschwitz noch möglich sei.
Laszlo Kornitzer und László Földényi werden in Form des erzählenden Vortrags, der Lesung und des Gesprächs die Haltung Kertesz' diskutieren.

Laszlo Kornitzer, geboren in Budapest, Regisseur und Übersetzer (u. a. von Imre Kertész), lebt in Berlin.

László Földényi ist ungarischer Essayist und Kulturtheoretiker und unterrichtet an der Akademie für Theater und Film in Budapest Kunsttheorie. Neben zahlreichen Veröffentlichungen (z. B. "Melancholie", 1988) und Übersetzungen erschien 2009 von ihm "Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch".

Thursday, September 2, 2010, 19h talk and reading
ON IMRE KERTÉSZ
with Laszlo Kornitzer and László Földényi

„The concentration camp can only be imagined in the form of literature, and not as reality. (Not even, indeed least of all, when we have experienced it ourselves.)“ Imre Kertész: Galley Boat-Log

The work of the Hungarian writer Imre Kertész is an unsparing confrontation with the author´s own past in the context of Auschwitz and the subsequent communist dictatorship in Hungary. These locations offer a recurring background in Kertész’ novels for the development of a profoundly humanistic ethos that takes its point of departure from the damaged individual.
Within the literary form, Kertèsz finds a way of dealing with this past, with its memories and also the threat of losing them. In the process, he constantly poses the question: what kind of present remains possible after Auschwitz?
Laszlo Kornitzer and László Földényi will treat Kertesz' approach in the form of an anecdotal lecture, involving readings from the works and discussion with the public.

Laszlo Kornitzer, born in Budapest, is a film maker and translator (of Imre Kertész among others). He lives in Berlin.

László Földényi is a Hungarian essayist und cultural theorist and lectures art theory at the Academy of Theatre and Film in Budapest. His numerous publications (e.g. "Melancholie", 1988) and translations include his "Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch" from 2009.

Donnerstag, 15. Juli 20.00 Uhr, Performance
Maison de Valeur
präsentiert WALK #1

Walk #1 ist eine Performance, die für das Projekt Kaufhaus Joske produziert wird. Sie knüpft an die ursprüngliche Funktion des Kaufhauses in Leipzig-Plagwitz an: Den Kunden, die hauptsächlich dem Arbeitermilieu entstammten, wurden die Waren des täglichen Bedarfs angeboten. Walk #1 wirft in Form einer Modenschau einen skeptisch-melancholischen Blick auf eine Zeit, in der die Identifikation mit dem Beruf noch nicht dem Imperativ der individualistischen Selbstverwirklichung folgte. Sie ist der Versuch, mehreren Verwirrungen zu begegnen: Was ist Kleidung im System Mode? Ist die liaison dangereuse von Waren- und Kulturproduktion nicht mehr aufkündbar? Sind Performance und Pop-Art desselben Geistes Kind?
MAISON DE VALEUR sind KünstlerInnen aus Leipzig.

presents WALK #1
Walk #1 is a performance produced specifically for Projekt Kaufhaus Joske and references the original function of the Joske department store situated in Leipzig-Plagwitz. The store offered its mostly working class customers the commodities of everyday necessity. Using the format of a fashion show, Walk #1 casts a melancholic glance at a time in which workers still identified with their professions without following the imperative of self-fulfilment. The piece is an attempt to deal with several sources of confusion: What is the role of clothing in the system of fashion? Is the dangerous liaison between commodities and culture no longer revocable? Are performance and pop art born of the same spirit?
MAISON DE VALEUR is a group of Leipzig artists.

Donnerstag, 17. Juni 20.00 Uhr, Vortrag
Nils Mollenhauer
Das Unbehagen im Archivarischen

Nils Mollenhauer wird in seinem Vortrag "Das Unbehagen im Archivarischen" das fotografische Werk Günther Förgs als eine Praxis darstellen, in der es vielmehr um den Prozess des Bilder-Machens geht als um ein fertiges Bild. Anhand der BAUHAUS TEL AVIV JERUSALEM PHOTOGRAPHIEN wird Günther Förg als Photographie-Performer beschrieben, der mit einem subjektiven Zugriff auf die (Architektur-)Geschichte dem Unbehagen begegnet, das in einer statischen Erinnerungskultur und einem archivarisch disziplinierten Gedenken lauert.

In his lecture „The Discontents of the Archival“, Nils Mollenhauer will present Günther Förg's photographic work as a practice in which the process of generating the image is more important than the product itself. In the context of his BAUHAUS TEL AVIV JERUSALEM PHOTOGRAPHIEN, Förg will be depicted as a photographer cum performer, whose subjective approach to history and the history of architecture confronts the malaise lurking within a static culture of memory and commemoration characterized by the discipline of the archive.

12. Mai 19 Uhr Performance
Tris Vonna-Michell
Leipzig Calendar Works

In den Sprechperformances von Tris Vonna-Michell strömen in rasendem Tempo Worte und Sätze aus ihm heraus, gelegentlich ist eine Jahreszahl oder ein Straßenname aus dem Fluss der Worte zu vernehmen. Es sind Ergebnisse, Zwischenstände, wahrnehmbar sind Fragmente seiner Recherchen an bestimmten Orten, nach deren Vergangenheiten und spezifischen Geschichten. Die Problematik, als Nachgeborener begreifen zu wollen und dann feststellen zu müssen, eben nicht die einzig gültige Geschichte erzählen zu können, fließt direkt in Vonna-Michells Arbeit ein. Seine Form der mündlichen Erzählung lässt auf eindrucksvolle Art und Weise ein Neben- und Miteinander verschiedener Zeiten und Perspektiven in der Kombination privater und politischer Geschichte, Fakten und Fiktionen zu. Tris Vonna-Michells Arbeiten sind stets unabgeschlossene Projekte: einzelne Details verändern sich je nach dem Ort und der Zeit ihrer Aufführung und befinden sich dadurch in einer permanenten Wandlung. Die Arbeit "Leipzig Calendar Works" begann mit einem Aufenthalt (und den Recherchen) Vonna-Michells in Leipzig im Jahr 2005 und wird nun mit seiner Rückkehr ihre Weiterführung finden.

In Tris Vonna-Michell’s performances, a profusion of words and sentences flows from his mouth at breakneck speed. A year or a street name is occasionally loosens itself from the stream and becomes audible. What we hear are interim results, fragments of an investigation of specific places, of their histories and their particular stories. Vonna-Michell’s work is about the problem of wanting to understand the past that has begotten us yet not being able to tell the one valid story of this past. His form of oral narration involves a unique assimilation of diverse points in time and perspectives in the combination of private and political history, fact and fiction. Tris Vonna-Michell’s pieces are a priori unfinished works. Individual details vary according to the place and time of the performance and are as such in permanent flux. The project "Leipzig Calendar Works" began with a sojourn and accompanying research in Leipzig in 2005 and will now be continued upon his return.


2009

Ausstellungsansicht "Arisierung in Leipzig. Verdrängt. Beraubt. Ermordet", Schindlermuseum Krakow, 2009

20. September 10-18 Uhr, Performance
Jörg Herold
Eine Hochdruckreinigung der Hausfassade als "private" Erinnerungsarbeit am ehemaligen Kaufhaus Joske. Freilage der Zeitschichten auf 202 cm Höhe über Normalnull.

anschliessend Hoffest ab 18 Uhr

11. September 19 Uhr, Film
Aufschub
Harun Farocki, 2007, 41 min.
90 Minuten Rohmaterial mit Dokumentationsaufnahmen aus dem Zwischenlager Westerbork / Niederlande, die von dem Lagerleiter bei dem Insassen Rudolf Breslauer in Auftrag gegeben wurden, sind das Ausgangsmaterial für Harun Farockis Montage "Aufschub".
Farockis Montage, der Schnitt und die Kommentierung in Form von Texttafeln thematisiert die Lesbarkeit und Glaubwürdigkeit historischer Bilder.
anschliessend, 20 Uhr
Tobias Ebbrecht Filmwissenschaftler (HFF Konrad Wolf, Potsdam)
Hinter den Bildern, Annäherung an die Vergangenheit als Filmessay
Die Geschichte über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden ist längst in einer unüberschaubaren Bildersammlung aufgegangen. Hinter den zu reinem Material geronnenen Archivbildern, Rekonstruktionen und Zeugenaussagen verschwinden die Zugänge zu einer Vergangenheit, die die heute Lebenden noch immer herausfordert, mit der Erkenntnis des Bruchs, des Nichtverstehenkönnens konfrontiert und noch das heutige Leben zeichnet. Am Beispiel des Filmemachers Harun Farocki und Romauld Karmakar geht der Vortrag filmischen Versuchen der Befragung von Bildern nach. Der Filmessay überschreitet die Formen (Dokumentarfilm / Spielfilm) ebenso wie die historisierende Perspektive der Geschichtswissenschaft. Hinter den bekannten Bildern werden Formationen sichtbar, die durch die Montage, die konstellative Zusammenstellung oder die subjektive Interpretation Vergangenes aus der Perspektive der Gegenwart befragen.

30. August 15 Uhr, Führung
Führung durch Gebäude und Ausstellung

27. August 19 Uhr, Vortrag
Lisa Gathmann
Surrealismus und Realität: Lee Miller in Deutschland, 1945

Der Vortrag untersucht die Kriegsberichterstattung der amerikanischen Fotografin Lee Miller für das Magazin Vogue vor dem Hintergrund ihrer Prägung durch die surrealistische Bewegung. Dabei zeigen sich Brüche und Kontinuitäten einer nicht fotografischen Haltung.
Lisa Gathman ist Künstlerin und lebt und arbeitet in Leipzig

17.Juli bis 15. August Ausstellung
Yuki Higashino
An obvious choice and a few other ideas that followed it
Yuki Higashino (* 1984 in Shizuoka, Japan, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main) beschäftigt sich in seiner Arbeit mit den Begleitumständen kultureller Produktion, ihren historischen und räumlichen Bedingungen. Die Orte, die Schauplätze eines Geschehens gewesen sind, werden Inhalt der Arbeit, die Yuki Higashino in Form von Text, Grafik, Film oder Performance ausführt.

 

 

07. Juli 20 Uhr, Konzert
Judith Berksoon
Sopranistin, Pianistin und Komponistin aus Brooklyn, New York City.
Sie arrangiert jüdischen Kantoralgesang, romantische deutsche Lieder und Jazz. judithberkson.com

Ausschnitt aus dem Konzertmitschnitt (mp3, 7:48 min)

26. und 28. Juni
Öffentliche Führungen im Rahmen der jüdischen Woche auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhauses Joske

25. Juni Vortrag
Fabian Reimann
Gustav Metzger: Haltung

"Es war nie meine Absicht, zu zerstören" sagte Gustav Metzger, der als Begründer der autodestruktiven Kunst in den 60er Jahren bekannt geworden ist. Wie sieht Kunst aus in der Turbomoderne, nach dem Holocaust und nach Hiroshima? Der Vortrag unternimmt den Versuch, die komplexe Kunst- und Weltauffassung des Künstlers vorzustellen.

29.Mai bis 10 Juli Ausstellung
Katinka Bock
Umland
Katinka Bock (*1976 Frankfurt am Main, lebt in Paris), studierte in Berlin Weißensee. Sie erhielt 2002 den Marion-Ermer-Preis und hatte seitdem zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen, zuletzt im Kunstverein Nürnberg. In ihren Arbeiten greift Katinka Bock oft randständige Beobachtungen auf, aus Raumsituationen oder sozialen Situationen, die sie in präzisen Arbeiten, Installationen, Videos oder Kombinationen davon, analysiert.


2008

Zur Eröffnung am 10.Juli 2008 sprachen und lasen die Leipziger Historikerin Andrea Lorz und der Schriftsteller Thomas Pletzinger.